Deutscher Jugendliteraturpreis 2020 - Nominierungen

2020. Die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 stehen fest – von 647 Neuerscheinungen haben es 29 Titel und drei "Neue Talente" auf die Liste geschafft. "Die nominierten Bücher widmen sich in kunstvoller Sprache und beeindruckenden Bildern dem Leben in all seinen Facetten. Von der Antarktis bis zum Mond, vom unbeschwerten Freibadsommer bis zum Identitätskonflikt im Kinderzimmer, von den einfachsten geometrischen Formen bis zum komplizierten Schriftsystem, vom Roman bis zum Gedicht: Die Nominierten führen uns in entlegene Ecken der Welt, zeigen uns aber auch die Welt vor der eigenen Haustür und überraschen mit neuen Blickwinkeln", so der Vorsitzende der Kritikerjury, Prof. Dr. Jan Standke. Die Kritikerjury hat jeweils sechs Bücher in den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch nominiert.

Die sechs Leseclubs der bundesweiten Jugendjury haben sich durch rund 200 Jugendbücher gearbeitet. Ihre Favoriten gehen unter die Haut: Ob bedrohliche Wasserknappheit, fremde Fantasy-Welten, individuelle Flüchtlingsschicksale oder die Auseinandersetzung mit der Todesstrafe – immer geht es um eine Form der Grenzerfahrung, die tiefe emotionale Betroffenheit hervorruft. Mit "Bus 57" (Loewe), einem Plädoyer der amerikanischen Autorin Dashka Slater für eine diverse Gesellschaft, liegt eine Doppelnominierung mit der Kritikerjury vor.

Nora Krug, Rieke Patwardhan und Dirk Pope sind die Nominierten für den Sonderpreis "Neue Talente". Mit diesem würdigt die Sonderpreisjury 2020 (Sandra Druschke, Prof. Dr. Tobias Kurwinkel und Kathrin von Papp-Riethmüller) deutsche Autorinnen und Autoren, die zwischen 2017 und 2019 ein erstes herausragendes Werk im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur vorgelegt haben.

     
  • Nora Krug: "Heimat. Ein deutsches Familienalbum"
  • Rieke Patwardhan: "Forschungsgruppe Erbsensuppe oder wie wir Omas großem Geheimnis auf die Spur kamen"
  • Dirk Pope: "Abgefahren"


Zu Popes Roman habe ich folgende Rezension als Jurybegründung geschrieben: Viorel ist 17 Jahre alt, übergewichtig und lebt allein mit seiner Mutter mitten im Ruhrgebiet. Seine Tage verbringt er vor dem Computer – bis die Mutter mit einem Mal leblos am Küchentisch sitzt, das Brotmesser noch in der Hand. Den plötzlichen Tod der einzigen Person, die sich um ihn gekümmert hat, verarbeitet er auf seine Weise: essend. 48 Stunden später wacht er in einem Haufen aus Chipstüten, Pizza schachteln und Raviolidosen auf und realisiert, dass er etwas tun muss. Viorel ruft jedoch weder den Notarzt noch ein Bestattungsinstitut, sondern lädt seine Mutter in den Kofferraum ihres Autos und macht sich auf den Weg nach Rumänien, um sie zu beerdigen, wo sie geboren wurde. Damit beginnt ein Roadtrip, der dem Titel des Buchs alle Ehre macht: In hohem (Erzähl-)Tempo geht es von Essen bis an die Küste des Schwarzen Meeres, wo die Mutter ihre letzte Ruhe finden soll.

Parallel zu diesem Trip nach und durch Ost-europa tritt Viorel eine Reise in sein Innerstes an, entwickelt sich durch Konfrontationen mit skurrilen, manchmal surrealen Hindernissen – und im Besonderen mit sich selbst. Sprachgewaltig erzählt Dirk Pope diesen gelungenen Coming-of-Age-Roman mit schwarzem Humor und viel Ironie, bei dem er Versatzstücke aus rumänischen Mythen ebenso wie aus Bram Stokers Dracula montiert.

Die Nominierungsbroschüre wie auch das Plakat von Iris Anemone Paul zum diesjährigen Preis können auf den Seiten des Arbeitskreises für Jugendliteratur heruntergeladen werden.