Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2019

2019. Für den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg hat die Jury drei Autorinnen nominiert. Bekannt gegeben wird die Preisträgerin am Abend der Verleihung am Montag, 18. November, im Alten Rathaus. In die nähere Auswahl kommen in diesem Jahr ein Kinderbuch sowie zwei Jugendbuchmanuskripte. 212 Erstlingswerke (149 Manuskripte, 63 Bücher) wurden insgesamt eingereicht und von der Jury (Prof. Dr. Tobias Kurwinkel, Birgit Müller-Bardorff (Redakteurin Augsburger Allgemeine), Christine Paxmann (Herausgeberin des Magazins Eselsohr und Autorin), Mehrdad Zaeri (Illustrator) und Katharina Zedler) gesichtet und beurteilt.

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis ist der einzige seiner Art in Deutschland. Als Förderpreis dient er dem Ansporn und der Ermutigung von Autorinnen und Autoren beziehungsweise Illustratorinnen und Illustratoren, ein Erstlingswerk vorzulegen. Zugleich soll innovativen Ideen eine Chance gegeben und ein Anreiz geschaffen werden, die Werke Unbekannter in die Verlagsprogramme aufzunehmen.

Entschieden hat sich die diesjährige Jury für folgende Werke:

  • Tanja Fabsits aus Klosterneuburg mit ihrem Kinderbuch "Der Goldfisch ist unschuldig" (Tyrolia)     
  • Nora Hoch aus Berlin mit ihrem Jugendbuchmanuskript "Das Salzwasserjahr"
  • Christine Zureich aus Konstanz mit ihrem Jugendbuchmanuskript "Ellens Song"
     


Zu Zureichs Manuskript habe ich folgende Rezension als Jurybegründung geschrieben: Die Geschichte, die aus der Perspektive ihrer 18-jährigen Hauptfigur erzählt wird, erscheint zunächst nicht außergewöhnlich: Ellen, eine talentierte junge Musikerin, will nach dem Abitur aus der süddeutschen Provinz und vor den Eltern fliehen; nichts soll dazwischenkommen, auch die Liebe nicht. Eingeplant ist diese für später – sie soll zum Neubeginn in der Stadt, in der alles anders sein wird, gehören. Doch natürlich stellt sie sich vorher ein, die Liebe. Ellen verliebt sich in Johnny, weil er, komplementär charakterisiert, alles hat – insbesondere die richtigen Eltern. Sie hat hingegen die falschen: Einen alkoholkranken, arbeitslosen Vater und eine ko-abhängige Mutter, die an ihren Mann und an Besserung glaubt – in Wahrheit aber längst aufgegeben, der Sucht nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Die Liebesbeziehung und das Elternhaus Johnnys bieten Ellen Schutz vor ihrem desolaten Zuhause, funktionieren als kontrastiv gezeichneter Zufluchtsort, bis bei Johnnys Mutter Krebs diagnostiziert wird. Zunächst schweißt die schwere Krankheit die jugendlich Liebenden zusammen, dann isoliert sie Ellen von ihren Freunden und der für sie so wichtigen Musik. Schließlich leitet sie eine Folge von Ereignissen und daraus resultierenden Entwicklungen ein, an denen Ellen zu zerbrechen scheint.

Christine Zureichs Coming-of-Age-Story überzeugt und beeindruckt: zum einen durch die Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt zeigt, welche Bedeutung der Musik als Seelenkraft und -helfer zukommen kann. Zum anderen durch die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird: So reflektiert Zureich die Entfremdung, die Distanz ihrer traumatisierten Protagonistin zu sich selbst durch verschiedene Erzählperspektiven, die sie mit einer filmischen Schreibweise kombiniert: Situationen, die für Ellen emotional schwer zu bewältigen sind, werden von ihr drehbuchgleich in Filmszenen wiedergegeben – und übersetzen damit kongenial, wie weit entfernt Ellen von einem kohärenten Ich ist.