Literarisches Lernen mit Ludonarrationen. Die Figur im narrativen Computerspiel als Gegenstand literarischen Kompetenzerwerbs


Die Nichtbehandlung von digitalen Spielen im Deutschunterricht der Grundschule steht im Widerspruch zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, in der das Computerspiel schon längst einen festen Platz eingenommen hat. Ein Literaturunterricht, der auf die Lebenswelt der Lernenden Bezug nehmen und der Tatsache gerecht werden möchte, dass Literatur eine breite Medienbasis hat, benötigt didaktische Konzepte und theoretisch fundierte Unterrichtsentwürfe zur Nutzung und Reflexion digitaler Spiele. Vor allem für den Unterricht an Grundschulen sind diese bisher kaum existent. Das Dissertationsprojekt bearbeitet dieses Forschungsdesiderat: Figuren narrativer Computerspiele sollen vor dem Hintergrund eines transmedialen Literaturunterrichts als Gegenstand literarischen Lernens und literarischen Kompetenzerwerbs in der Grundschule eingesetzt werden.
Methodologisch verortet sich das Vorhaben in der fachdidaktischen Unterrichtsforschung, in deren Rahmen zyklisch Lehr-Lernarrangements entwickelt und die initiierten Lernprozesse erforscht werden. Die drei Hauptaspekte des Dissertationsvorhabens lassen sich wie folgt beschreiben:
Auf fachwissenschaftlicher Ebene wird die ludonarrative Figur aus literatur- und medienwissenschaftlicher Perspektive modelliert. Dieses Analysemodell muss einerseits dem Hybridcharakter des digitalen Spiels gerecht werden und andererseits didaktisch rekonstruktionsfähig sein. Es bildet die fachwissenschaftliche Grundlage für den Lerngegenstand des Unterrichtsdesigns.
Auf der Entwicklungsebene entsteht ein theoretisch fundiertes und in der Praxis erprobtes Lehr-Lernarrangement. Hierzu gehört das Konzept zur Nutzung der Ludonarration für einen kompetenzorientierten Literaturunterricht ebenso wie konkrete Unterrichtsmaterialien.
Auf der Forschungsebene wird eine empirisch abgesicherte lokale Theorie zu den gegenstandsspezifischen Lehr-Lernprozessen erarbeitet. Hier ist von besonderem Interesse, inwiefern Lernende Aspekte der Psyche und Sozialität ausgewählter ludonarrativer Figuren rekonstruieren, verstehen und darauf aufbauend ihre Perspektiven nachvollziehen. (Juni 2017)



Katharina Düerkop (M. Ed.) ist seit 2016 Stipendiatin im Graduiertenkolleg „Duale Promotion“ an der Universität Bremen. Hier hat sie zuvor Germanistik, Musikpädagogik und Elementarmathematik für das Lehramt an Grundschulen studiert. Im Rahmen ihrer Arbeit als studentische Hilfskraft war sie unter anderem als Tutorin für Literaturwissenschaft tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Erzählen in Kinder- und Jugendmedien. Besondere Überlegungen hierzu stellte sie in einer Arbeit über die Anwendung der transmedialen Erzähltheorie auf digitale Spiele an. Um diese Erkenntnisse auch deutschdidaktisch nutzbar zu machen, untersuchte sie in ihrer Masterarbeit den Einsatz narrativer Computerspiele im Literaturunterricht – speziell als Gegenstand literarischen Lernens. Die Bearbeitung dieses Forschungsdesiderates führt sie in ihrem Dissertationsvorhaben fort.

Katharina Düerkop   abstract in English   Poster